Ein Schatz in der Altmark

Ost- oder Nordsee, Bayrischer Wald, Harz oder einen Städtetrip nach Berlin – es gibt so einige bekannte Urlaubsziele innerhalb Deutschlands, die sich an dauerhafter Beliebtheit erfreuen. Doch die wahren Schätze liegen meistens etwas verborgen, so auch die Stadt Tangermünde mit ihrer 1000-jährigen Geschichte. Direkt an der Elbe gelegen, da wo die Tanger in den mächtigen Strom mündet, scheint ein wenig die Zeit stehen geblieben. Zahlreiche Backstein- und Fachwerkbauten, eine fast geschlossene, teilweise gewaltige Stadtmauer mit wehrhaften Toren sowie eine imposante Burganlage verleihen der Kleinstadt eine einzigartige Atmosphäre. Um den Reiz der Stadt in vollen Zügen zu erleben, kleiden sich auch Übernachtungsmöglichkeiten und gastronomische Einrichtungen in die historischen Gewänder. Und das Beste: Bei einem längeren Aufenthalt kann man die Reise gleich mit einem Abstecher in die Hauptstadt Berlin verbinden oder einfach nur die Natur und kleinen Städtchen in der Altmark genießen.

Das Rathaus Tangermünde (Foto: Maria Greiner)

Ein Stadtbummel lohnt sich
Klein aber oho! Ein Fußmarsch durch die Stadt Tangermünde hat eine Menge Sehenswertes zu bieten: Ob entlang der Fachwerkhäuser in der Kirchstraße, der großen Stadtmauer rund um das Zentrum mit imposanten Toren oder zu den historischen Bauten im Stadtkern – für Ruhepausen zwischendurch sorgen kleine Straßencafés oder einfach nur ein beschaulicher Platz an der Elbe. Das Rathaus von Tangermünde mit seiner prächtigen 24 Meter hohen Schauwand am Ostflügel wurde um 1430 errichtet und ist ein besonderer Hingucker, wenn man auf dem Marktplatz steht. Das Erdgeschoss und die Kellerräume werden als Museum genutzt und in der obersten Etage befinden sich der herrliche Rathausfestsaal und das Trauzimmer.

Die St. Stephanskirche in Tangermünde (Foto: Maria Greiner)

Eine der zehn wertvollsten historischen Orgeln Europas befindet sich in der St. Stephanskirche. Die Scherer Orgel aus dem Jahre 1624 erklingt seit September 1994 nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten wieder in der Kirche und kann bei regelmäßig stattfindenden Konzerte gehört werden. Wer sich für die deutsche Geschichte interessiert, sollte ebenfalls Augen und Ohren aufhalten, denn die Elbbrücke Tangermünde hat eine lange Tradition. Im Krieg galt sie als wichtiger Übergang zur Flucht Richtung Westen und wurde 1945 teilweise zerstört. Bis 1950 wurde die alte Elbbrücke wieder aufgebaut und heute – beziehungsweise im Jahre 2001 – durch eine neue Brücke, die größte Straßenbrücke Sachsen-Anhalts, mit einer Länge von 1435 ersetzt. Das „alte Stück“ wurde im März 2003 zurückgebaut.

Das Kaiser Karl Gemach in den Exempel Schlafstuben (Foto: Maria Greiner)

Übernachtung im historischen Gewand
Einmal anders übernachten, das ist das Motto in Tangermünde. Ob der Königin Luise Salon, des Mannes Maleratelier oder der Stall der Kuh, welche ihren Schwanz in Bier badete – im Erlebnishotel „Exempel Schlafstuben“ sind alle Räume thematisch und mit viel Liebe zum Detail ausgestattet. Auch wenn die Einrichtung historisch anmutet, die Annehmlichkeiten der modernen Zeit wie fließend Wasser und Strom sind natürlich vorhanden. Zur kaiserlichen Übernachtung lädt das Kaiser-Karl-Gemach ein. Ein massives Himmelbett aus Holz, ein kleiner Badezuber mitten im Raum und die Toilette als Thron getarnt, den man über ein paar Stufen erreicht und der nur durch einen Vorhang vom restlichen Raum getrennt ist, stimmen den Gast ein. Ein aus Stein geformter Waschtisch leitet das Wasser über eine kleine Rampe auf den Badezimmerboden, wo es dann abfließen kann. Bevor es jedoch an den kaiserlichen Schlaf geht, muss noch standesgemäß gespeist werden und wo macht man das in Tangermünde? Na klar: In der Zecherei St. Nikolai.

Die Zecherei St. Nikolai (Foto: Maria Greiner)

Von Mägden, Knappen und deftigen Speisen
In einem über 800 Jahre alten Kirchengemäuer befindet sich das Restaurant Zecherei St. Nikolai. Meterdicke Wände, Kerzenbeleuchtung, Bleiglasfenster, Chorgestühl, Kanzel, Beichtstuhl und Kamin bilden den perfekten Rahmen, um im mittelalterlichen Ambiente zu trinken und zu speisen. Neben üppig eingedeckten Tischen, reichlich Gesöff und Fraß, Musik von Sackpfeife, Laute und Trommel, gibt es noch eine privatere Alternative: ein Bad im Badezuber mit Festschmaus (39,90 Euro pro Person exklusive Getränke). Hinter einer dicken, quietschenden Holztür kann man dem Gelage im Restaurant etwas entfliehen. Ein schweres Holzbrett liegt quer über dem Badezuber, auf dem Trinkkelch und Dolch schon andeuten, was die in mittelalterlicher Kluft bekleideten Mägde und Knappen gleich bringen werden.

Der Badezuber in der Zecherei St. Nikolai (Foto: Maria Greiner)

Doch bevor der Festschmaus beginnt liegt für jeden Gast (maximal sechs Personen) ein Leinenhemd bereit. Angemessen gekleidet steigt ein jeder dann in den dampfenden Zuber, denn das Wasser ist wohlig warm, und nimmt auf einem der Holzhocker, die direkt im Badezuber stehen, Platz. Was man unbedingt probieren sollte: Tangermünder Kuhschwanzbier. Da es früher üblich war, das jede Gemeinde ihr eigenes Bier in den Gemäuern braute, so nahmen die Braumeister der Stadt das Wasser für den Gerstensaft aus dem Tangerfluss. Um genug Wasser für das Brauen zu haben, versuchte man die Kühe von ihren Trinkstellen zu vertreiben und da dies nicht immer gelang und ab und zu doch eine Kuh im Fluss stand (und somit auch der Kuhschwanz), erlangte das Bier seinen Namen. Heute ist das mild-malzige Schwarzbier Kult und auch über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Aufgetafelt wird eine bodenständige Küche mit viel Fleisch und frischem Gemüse. Nach dem üppigen Mahl ist nur noch für eines Platz: ein Schmiedefeuer. Ein „übler Kräuterlikör“, so steht es jedenfalls in der Karte, der brennend serviert wird – sehr lecker, aber nichts für zarte Gemüter. Zum Schluss verschwinden Holzschemel und Brett, so dass die gesättigten Gäste ganz und gar in den Badezuber eintauchen können.

Eventtipp: 25. Burgfest Tangermünde
Vom 7. bis 9. September 2012 findet in der Innenstadt von Tangermünde das alljährliche Burgfest statt. Ein kleines Jubiläum, denn bereits zum 25. Mal kommen altertümliche Markttreiben, Minnesänger, Gaukler, volkstümliche Kunst sowie regionale Rock- und Pop-Künstler zusammen. Vielleicht ein Grund mehr dem beschaulichen Städtchen ein Besuch abzustatten.

Maria Greiner

Über Maria Greiner

Maria Greiner gehört seit 2012 zum Team von Claasen Communication und ist seit 2017 Geschäftsführerin.

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