Liebesschwüre statt Weltverschwörung

Gedenkstätte für einen der berühmtesten Freimaurer überhaupt: das George Washington Masonic Memorial (Foto: Ralph Steffen)

Groß, mächtig und erhaben ragt es von der Kuppe eines Hügels auf und ist damit unübersehbares Wahrzeichen des Städtchens Alexandria, direkt am Ufer des Potomac River gegenüber von Washington DC in Virginia gelegen: das George Washington Masonic Memorial. Die Freimaurer haben diese Gedenkstätte zu Ehren eines ihrer prominentesten Mitglieder erbauen lassen, denn der erste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika war – wie andere prominente Zeitgenossen seinerzeit auch (beispielsweise Benjamin Franklin) – über viele Jahrzehnte ein Freimaurer. 1752 trat er zunächst der Loge in Fredericksburg/Virginia bei, und leitete als Meister vom Stuhl ab 1788 die Loge in Alexandria, ein Amt, das er auch nach seiner Wahl zum Präsidenten weiter ausübte. Sogar den Amtseid nach seiner ersten Wahl zum US-Präsidenten leistete Washington auf einer Freimaurerbibel.

Unübersehbar empfängt die große Washington-Statue in der Memorial Hall jeden Besucher des Memorials. (Foto: Ralph Steffen)

Haftet der Freimaurerei nicht selten der Ruf von Geheimbünden mit dubiosen Praktiken und einem Hauch von Weltverschwörung an, präsentiert man sich in Alexandria sehr offen. Schon bei der Planung des Baus in den 1920er Jahren war das Memorial als Gedenk-, Informations- und Begegnungsstätte für jedermann konzipiert. Nach der Grundsteinlegung 1923 dauerte es jedoch bis 1970, bis das vollständig auf Spendenbasis finanzierte Bauwerk endlich fertiggestellt war – insbesondere die Weltwirtschaftskrise und der Zweite Weltkrieg hatten für massive Verzögerungen gesorgt. Doch so lange die Bauzeit auch dauerte, so schnell wurden die Herzen der Einwohner Alexandrias erobert, ob Freimaurer oder nicht. Von der Aussichtsplattform im obersten Stockwerk bietet sich Besuchern ein atemberaubender Ausblick auf die Stadt, das benachbarte Arlington und natürlich auf die US-Hauptstadt, wobei besonders passend der riesige Obelisk des Washington Monuments nahe des Weißen Hauses als erstes ins Auge sticht. Vor dieser Kulisse und in der Grünanlage zu Füßen des Bauwerks tummeln sich an warmen Tagen Ausflügler, Familien und Touristen sowie Liebespaare. Denn wer in Alexandria etwas auf sich hält, schwört an genau diesem Ort seiner Liebsten ewige Treue oder hält um ihre Hand an.

Prächtig gestaltet, wird der Raum des Templerordens heute fast nicht mehr genutzt. (Foto: Ralph Steffen)

Sehr Aufschlussreiches hat das Innere des George Washington Masonic Memorial zu bieten. Man kann es auf eigene Faust oder im Rahmen einer Führung erkunden, wobei das Logenmitglied, das den Besuchern zur Seite steht, bereitwillig auf neugierige Fragen antwortet. Doch egal, wie man sich auf die freimaurerischen Spuren Washingtons begibt, zwei Dinge sollte man keinesfalls versäumen, nachdem zunächst die prächtige Memorial Hall mit der großen Washington-Statue in Augenschein genommen wurde. Etwas versteckt links vom Eingang befindet sich ein kleines Museum, in dem einige ganz besondere Artefakte zusammengetragen wurden. Vieles stammt aus dem Nachlass des früheren Präsidenten und Freiheitskämpfers, anderes aus den Beständen der Loge. Bemerkenswert ist ein Porträtgemälde, das George Washington nicht, wie oftmals üblich, idealisiert, sondern höchst authentisch darstellt. Zu sehen ist auch die Freimaurerkelle, die seinerzeit bei der Grundsteinlegung zum Einsatz kam. Es ist die gleiche, die auch schon 1793 bei der Grundsteinzeremonie zur Errichtung des US-Kapitols verwendet wurde. Per Aufzug geht es ein paar Stockwerke höher, wo eine weitere interessante Ausstellung über die Loge von Alexandria, Einweihungsstufen und einige Gebräuche der Freimaurer informiert. Wer noch etwas mehr Zeit mitbringt oder an einer Führung teilnimmt, kann auch einen Blick in weitere Räumlichkeiten werfen, etwa in den Raum des Templerordens oder in das große Theater. Letzteres könnte Fans des Schauspielers Nicolas Cage bekannt vorkommen. Tatsächlich wurde eine Szene relativ zu Beginn des Hollywoodstreifens „Das Vermächtnis des geheimen Buches“ dort gedreht, wobei der Film eher suggeriert, dass die dargestellte Konferenz in dem Vorlesungssaal einer Universität stattfindet, aber nicht unbedingt in einem Freimaurergebäude. Diese Verbindung zu dem Film ist aber auch schon der einzig erkennbare Bezug des George Washington Masonic Memorials zu Geheimnissen, Mythen und Rätseln.

Das Freimaurer-Signet ist allgegenwärtig. (Foto: Ralph Steffen)

In einer Ausstellung wird auch über die „freimaurerische Karriereleiter“ informiert. (Foto: Ralph Steffen)

Shoppingbummel mit Käsestopp
Übrigens: Ein Besuch der Gedenkstätte lässt sich ideal mit einem Bummel durch die gemütlichen Straßen der Altstadt Alexandrias mit ihren vielen urigen Backsteinbauten verbinden. Pulsierendes Herz des Viertels ist die King Street, die sich vom Memorial bis ans Flussufer zieht und an deren Seiten sich unzählige Geschäfte, Restaurants und Cafés aneinanderreihen. Ein Geheimtipp für alle Käsefreunde ist der Laden von Sebastian Tavel. Der Franzose kam einst in die USA, um seine Sprachkenntnisse zu verbessern, blieb dann aber dort, nachdem er seine heutige Frau Mary kennengelernt hatte. Mit „La Fromagerie“ hat er ein Geschäft mit angegliedertem Bistro geschaffen, in dem man sich leibhaftig davon überzeugen kann, welch hervorragende Käsesorten Klein- und Kleinstbetriebe aus den unterschiedlichsten Regionen der USA herstellen. Die Auswahl ist enorm. In Geschmack und Aroma stehen sie ihren europäischen Vorbildern in nichts nach und haben so gar nichts mit dem so genannten Käseschmelz zu tun, den man in USA auf allerlei Fastfood wiederfindet. Dieses Kleinod eignet sich insbesondere dann als perfekter Zwischenstopp, wenn man die unzähligen Offerten der King Street für eine ausgedehnte Shoppingtour nutzt. Bon appétit!

Schon diese kleine Auswahl aus dem Sortiment deutet an, dass „La Fromagerie“ des Franzosen Sebastian Tavel ein wahres Paradies für Käseliebhaber ist. (Foto: Ralph Steffen)

Ralph Steffen

Über Ralph Steffen

Ralph Steffen gehört seit 1998 zum Team von Claasen Communication und ist seit 2017 Geschäftsführer.

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