Lebensweg eines berühmten Flugzeugs

Stationen der ehemaligen Lufthansa-Boeing „Landshut“ bevor sie im brasilianischen Fortaleza als Wrack endete und jetzt nach Deutschland zurückkehrt

So steht die Landshut aktuell in Brasilien. (Quelle: Auswärtiges Amt)

Der Lebensweg eines Flugzeugs ist immer genau nachvollziehbar und bis ins Kleinste dokumentiert. Involviert sind dabei viele: Hersteller, Betreiber, Leasinggeber, Aufsichtsbehörden und Techniker, die jede Arbeit an einem Flugzeug penibel belegen müssen. Von daher war schnell klar, welchen Lebenslauf die Boeing 737-200 mit der Seriennummer 20254 genommen hat, die flugunfähig auf einem abgeschirmten Areal des brasilianischen Pinto Martins Airports von Fortaleza im feucht-heißen Klima verrottete: Die „Landshut“ ist einer bekanntesten Jets unter allen rund 10.000 Boeing 737-Mustern, die seit 1968 global ausgeliefert wurden, weil sie vor 40 Jahren, im Oktober 1977, die Welt in Atem hielt.

Irrflug von 9.000 Kilometern
Der Jet der Lufthansa war nach seinem Start am 13. Oktober 1977 von Palma de Mallorca mit 91 Passagieren und Crew von einem palästinensischen Terrorkommando gekapert worden. Mit der Entführung sollten Terroristen der Rote Armee Fraktion (RAF) frei gepresst werden, die in Deutschland einsaßen. Doch Flug LH 181 landete nicht planmäßig in Frankfurt am Main, sondern absolvierte eine einwöchige Odyssee von über 9.000 Kilometern über Zypern, Bahrain, Dubai, Aden im Südjemen zur somalischen Hauptstadt Mogadischu. Dort stürmte eine Anti-Terror-Einheit der deutschen GSG 9 die Maschine und befreite Passagiere und Crew, nachdem die Terroristen Kapitän Jürgen Schumann zuvor bei der Zwischenlandung in Aden erschossen hatten.

Von Deutschland für sieben Airlines und 60.000 Flüge im Einsatz
Die „Landshut“ mit dem Kennzeichen D-ABCD wurde entgegen landläufiger Meinung auch nach dem Irrflug weiter in der Lufthansa Flotte beschäftigt, flog nach ihrer Reparatur weiter bis zum Jahr 1985 und ist dann verkauft worden. Der Jet war dann für sieben Airlines im Einsatz, sowohl für die Passage als auch für Cargo-Dienste. So für zwei Jahre bei der US-amerikanischen Presidential Air bis er 1987 zur honduranischen Fluggesellschaft TAN kam, die das Flugzeug jedoch nur ein Jahr betrieb, bevor die Airline ihren Betrieb aufgab und mit dem Konkurrenten Sahsa verschmolzen wurde.

Die Ex-Landshut wurde 1988 an die Intercargo in Frankreich für Luftfrachtdienste weiterverkauft und kam dann zum französischen Konkurrenten L´Aeropostale, wo sie fünf Jahre lang im Einsatz war. 1995 wurde die B737-200 von der malaysischen TransMile übernommen, die Cargoservice in der asiatischen Region anbot, bevor diese Gesellschaft in Raya Airways mit Sitz in Kuala Lumpur umbenannt wurde. Nach Beschäftigung durch die staatliche indonesische Fluggesellschaft Garuda kam die „Landshut“ – wieder über TransMile – 2002 zur brasilianischen TAF Linhas Aereas. TAF mit ihren insgesamt 16 Flugzeugen stellte 2010 den Betrieb komplett ein und die Ex-Lufthansa-Boeing wurde nach 38 Betriebsjahren und über 60.000 Flügen auf einem abgesicherten Areal auf dem Fortaleza Airport zum Verschrotten geparkt.

Quelle: Auswärtiges Amt

Wrack per Cargo-Transporter zum Bodensee
Das Auffinden des Jets stellt einen doppelten Bezug zu Deutschland her: Denn neben dem 15 Jahre langen Betrieb für die Lufthansa hat der internationale Airport von Fortaleza seit Frühjahr 2017 eine unmittelbar deutsche Bindung. Die Fraport AG, unter anderem Betreiber des Frankfurter Flughafens, hat über ihre Tochter Fraport Brasil eine 30jährige Konzession mit dem Ziel erworben, den Airport in dieser Metropolregion Brasiliens zu modernisieren und auszubauen.

Rund 20.000 Euro zahlte jetzt die deutsche Bunderegierung für den Kauf des Landshut-Wracks. Es wird zerlegt und per Transportflugzeug demnächst nach Deutschland an den Bodensee gebracht, wo es unter Mithilfe der Lufthansa weitgehend wieder in den Zustand von 1977 versetzt werden soll. Der Jet als Denkmal an die Ereignisse im Oktober 1977 soll dann im Dornier Museum in Friedrichshafen ausgestellt werden. Man hofft auf bundesweite Spendenaktionen und auch auf Zuwendungen der Dornier Stiftung für Luft- und Raumfahrt, die sich seit zwölf Jahren „der Technik und Faszination fürs Fliegen widmet“, wie die Satzung sagt.

Die Bezeichnung „Landshut“ bleibt indes mit dem Luftverkehr verbunden. Die Lufthansa hat den Städtenamen später mehrfach erneut vergeben. Erst trug ihn eine weitere Boeing 737, gefolgt von einem Airbus A319. Seit 2007 heißt der LH-Airbus A330 mit dem Kennung D-AIKE „Landshut“.

Werner Claasen

Über Werner Claasen

Nachdem er lange erfolgreich als Wirtschaftsjournalist und anschließend als Chefredaktur der Fachzeitschrift „touristik aktuell" tätig war, gründete Werner Claasen 1990 im Rhein-Main-Gebiet die Agentur Claasen Communication für Public Relations in der Reiseindustrie. Die Agentur betreut seit mehr als 25 Jahren nationale und internationale Firmen, Fluglinien, Zielgebiete, IT-Unternehmen und Organisationen aus dem gesamten Spektrum des Reiseverkehrs.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.