Irrationale Angst über den Wolken

Panik, Kontrollverlust, Herzrasen, Bauchschmerzen und Atemnot – wer Flugangst hat, dem werden diese Symptome bekannt vorkommen.

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Angst durch ein Unglück ums Leben zu kommen – die Angst mit dem Flugzeug abzustürzen. Eigentlich sollte ich mich rundum auf meinen Urlaub freuen, doch stattdessen verbinde ich damit negative Gefühle. Es ist nicht nur die Angst vor der Angst, die mich plagt. Es schränkt natürlich auch in der Wahl des Zielortes ein. Ohne weiteres würde ich das ganze Jahr lang reisen, neue Menschen und verschiedene Kulturen kennenlernen – hinaus in die große weite Welt. Stattdessen sucht man sich zum zehnten Mal Urlaubsorte aus, die man schon gesehen hat, bei denen man nur ein bis zwei Stunden fliegen muss oder, besser noch, wo man mit dem Auto hinfahren kann. Die Flugangst engt mich ein – durch und durch. Kann man diese Angst besiegen?

Reihe 6, Sitzplatz C: Am liebsten würde ich aussteigen, mich losreißen, dem Fliegen entkommen. Aber nichts für Ungut, ich will in den Urlaub. Meine Gedanken überschlagen sich, sodass ich sie nicht mehr kontrollieren kann. Das Flugzeug startet und hebt ab. Mal wackelt es, mal vibriert es, mal sind komische Geräusche zu hören – alles Indizien dafür, dass das Flugzeug gleich abstürzt, nicht wahr?

Puh – dieses Mal ist alles gut gegangen. Wäre da doch bloß nicht diese schreckliche Angst. Dabei ist Angst prinzipiell nur eine normale Reaktion des Körpers, die uns dabei hilft, in Gefahrensituationen am Leben zu bleiben. Doch manchmal nimmt die Angst überhand und schränkt uns in unserem Leben ein. Ich habe gelesen, dass Flugangst nicht angeboren ist, sondern erlernt wird. Und alles, was man erlernt hat, sollte man auch wieder verlernen können. Das erscheint mir doch recht simpel. Wenn man sich die Zahlen verinnerlicht, wie viele Menschen täglich mit dem Auto und wie viele durch einen Flugzeugabsturz ums Leben kommen, dann sollte – rein theoretisch – schnell klarwerden, dass die Wahrscheinlichkeit, beim Fliegen zu verunglücken, doch wesentlich geringer ist.

Die Flugangst muss bekämpft werden

Wichtig ist es zunächst, Vertrauen in die Technik des Flugzeuges zu haben. Fluggesellschaften bieten spezielle Flugangst-Seminare an, bei denen auch die technische Seite beleuchtet wird. Fast 80 Prozent der Teilnehmer eines solchen Seminares berichten, dass die Flugangst danach deutlich geringer geworden ist. 30 Prozent der Menschen fliegen sogar völlig angstfrei – eine ziemlich gute Quote, finde ich!

In einem Seminar wird zu allererst eine Bestandsaufnahme der individuellen Flugangst gemacht, so dass man gezielt daran arbeiten kann. Weiterführend werden Methoden zur Angstbewältigung, Entspannungstechniken, Wahrnehmungs- und Gedankenmuster geschult. Natürlich ist auch die Konfrontation mit den Angstobjekten wie das „Flugzeug“ und das „Fliegen“ ein Thema. Unternehmen, die sich auf Flugangst spezialisiert haben, bieten zum Beispiel Seminare an, bei denen die Teilnehmer auf einen „virtuellen Flug“ mitgenommen werden. Hier sind echte Piloten anwesend, die den Menschen sogar das Cockpit und den Flugverlauf zeigen und erklären. Gerade wenn man Angst vor Kontrollverlust hat, ist das eine gute Möglichkeit, dem entgegenzuwirken. Aber auch Hypnose ist eine wissenschaftlich fundierte und anerkannte Methode, sich von Ängsten und schlechten Angewohnheiten zu lösen. Viele Menschen konnten durch Hypnose ihre Flugangst besiegen. Am Ende ist es natürlich wichtig, sich die Flugangst einzugestehen und offen damit umzugehen. Denn nur so kann sie besiegt werden.

Extrem schwierig wird es dann, wenn die Flugangst sich sowohl auf das Privatleben als auch auf den Beruf negativ auswirkt. Man sollte sich jedoch motivieren, dagegen anzugehen. Ich möchte allen, denen es ähnlich geht, ein paar Dinge mit auf den Weg geben, die einem das Fliegen erleichtern können.

Tipps und Tricks:

  • Entspannung vor dem Flug: Nehmen Sie sich ausreichend Zeit, um den Koffer zu packen, um wichtige Dinge zu erledigen und um rechtzeitig am Flughafen anzukommen. Lieber ein wenig mehr Wartezeit in Kauf nehmen, als auf den letzten Drücker abgehetzt am Flughafen erscheinen.
  • Mahlzeit: Nehmen Sie sich Zeit, um etwas zu essen, bevor Sie in das Flugzeug steigen. Dann ist der Körper erst einmal mit der Verdauung beschäftigt. (Achtung: Bitte nur leicht verdauliche Nahrung zu sich nehmen, sodass keine Gefahr besteht, Magenkrämpfe zu bekommen.)
  • Personal informieren: Flugbegleiter können besser mit den Menschen umgehen, wenn sie wissen, dass sie Flugangst haben. Sie helfen einem, das Flugerlebnis so angenehm wie möglich zu machen.
  • Ablenkung: Lesen Sie ein gutes Buch, hören Sie Ihre Lieblingsmusik oder schauen Sie sich einen Film an. Das kann dabei helfen, die Gedanken in eine andere Richtung zu lenken. Wer extrem lärmempfindlich ist, sollte sich spezielle Ohrstöpsel mitnehmen, sodass die Geräuschkulisse abnimmt.
  • Sitzplatz an der Tragfläche und am Gang: Versuchen Sie einen Sitzplatz in der Mitte des Flugzeuges zu buchen. Die Plätze sind dafür bekannt, dass hier die wenigsten Bewegungen spürbar sind. Der Platz am Gang ermöglicht es, sich bei Gelegenheit die Beine zu vertreten. Ebenfalls hat man so einfacher Kontakt zum Flugpersonal.
  • Begleitung: Es ist immer schön, nicht alleine zu sein und in Begleitung von Bekannten oder Freunden zu fliegen, die einen beruhigen können.
  • Belohnung nach dem Flug: Belohnen Sie sich mit einem Kauf oder einer nicht geplanten Aktivität, so dass es nach dem Flug ein schönes Highlight gibt.

Natürlich sind das keine Tipps, die die Flugangst in Luft auflösen. Mir helfen sie allerdings dabei, den Flug besser zu überstehen. Mein Ziel ist es, die Flugangst zu besiegen und die fernsten Orte der Welt zu bereisen – und genau das werde ich jetzt in Angriff nehmen.

 

Liann Blume

Über Liann Blume

Liann Blume studiert Onlinekommunikation an der Hochschule Darmstadt und macht seit September 2016 ein studienbegleitendes Praktikum bei Claasen Communication.

Eine Antwort auf Irrationale Angst über den Wolken

  1. Toller Artikel zum Thema Flugangst. Wie war denn der allererste Flug? Als Alina zum ersten Mal ins Ungewisse stieg, war sie auch etwas ängstlich, erkannte dann aber, dass es nicht so schlimm ist.

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