Inselhopping im Pazifik – Teil 2: Französisch-Polynesien

Eine Bucht von Moorea in Französisch-Polynesien

Wir fliegen von Rarotonga direkt nach Tahiti, der Hauptinsel von Französisch-Polynesiens. Die Einreise ist für Europäer sehr einfach: wir müssen nur unseren Reisepass vorlegen. Einen Stempel gibt es daher leider nicht und zu der nächtlichen Zeit wartet hier leider auch niemand mit einer Blumenkette. Weitere europäische Einflüsse zeigen sich in den vielen französischen Expats, denen wir begegnen und dem Fakt, dass man teilweise sogar mit Euro zahlen kann. Die bunten Scheine der französisch-polynesischen Währung sind aber viel zu schön, um sie nicht zu nutzen.

Anflug auf Moorea

Nach einem Frühstück erkunden wir die Hauptstadt Papeete. Es ist Sonntag und die Stadt so gut wie ausgestorben. Viele Gebäude sind heruntergekommen und verfallen, im Hafen dagegen liegen einige sehr luxuriöse Yachten. Wirklich belebt ist an diesem Sonntag nur die Zieleinfahrt eines Radrennens – die Markthalle hat leider schon geschlossen, und so besichtigen wir nur kurz von außen die Notre Dame-Kirche und statten uns in einem Supermarkt mit noch mehr Moskitospray aus. Dann geht es auch schon auf die Nachbarinsel Moorea, die herzförmig nur wenige Kilometer von der Hauptinsel entfernt liegt. Wir nutzen ein Flugpass-Angebot von Air Tahiti, das vier beliebige Flüge zwischen den Inseln für einen Festpreis anbietet.

Eigentlich hatten wir uns ein Auto gemietet, als wir bei der Vermietung ankommen, wird uns jedoch mitgeteilt, dass wir zu jung sind und man mindestens 21 sein muss. Wenigstens springt aufgrund des Missverständnisses eine gratis Fahrt zu unserem Hostel raus. Im Vergleich zu Rarotonga schneidet dieses Hostel deutlich besser ab. Das „Bett im 6er Zimmer“ stellt sich quasi als Einzelzimmer heraus. Trennwänden aus Holz ähnlich wie Kabinen im Schwimmbad und ein Vorhang schaffen etwas Privatsphäre. Auch die offene Küche mit Terrasse im Nebengebäude ist sehr sauber und neu. Der Supermarkt befindet sich ziemlich genau in der Mitte zwischen Hostel und Flughafen, also laufen wir in Ermangelung von Alternativen dorthin. Ein Bus fährt wohl auch – und zwar so selten, dass er kaum Sinn macht. Auf unserem Weg kommen wir an einigen schönen Aussichtspunkten vorbei, können eine kleine Kirche bewundern, an der man sonst mit 70 km/h vorbeirauschen würde und werfen von der Straße aus Blicke in polynesische Gärten.

Nach der Rückkehr zum Hostel per Anhalter brechen wir nochmal zu einem Strand in der Nähe auf, genießen das Wasser und den halben Sonnenuntergang. Die andere Hälfte können wir nur an den imposanten grünen Bergen ausmachen.

Inland von Moorea

Am nächsten Tag machen wir eine Quad-Tour durch das Inselinnere. Wir sehen auf den riesigen Ananasfarmen im Schatten der hohen Berge zum ersten Mal, wie Ananas wachsen. Dass sie nur wenige Zentimeter über dem Boden fast kürbisähnlich wachsen, überrascht uns. Außerdem sind sie deutlich kleiner sind als die Exemplare, die wir aus deutschen Supermärkten kennen. Außerdem – es mag Einbildung sein – schmecken sie süßer und intensiver. Später wird uns erklärt, dass der Großteil der Ananas in Deutschland aus Lateinamerika importiert wird.

Außerdem machen wir einen Ausflug zum Moorea Lagoonarium, einer kleinen Insel mitten in glasklarem Wasser – perfekt zum Schnorcheln. Jede Gastgruppe hat eine kleine Hütte für sich, in der man Rucksäcke verstauen, sich umziehen oder sich in den Schatten zurückziehen kann. Hauptattraktion sind aber tatsächlich die Fische. Die uns inzwischen bekannten Trevallis sind genauso vertreten wie kleinere tropische Fische. Angelockt durch das bei solchen Attraktionen anscheinend unverzichtbaren Billig-Baguette – dem wir noch oft begegnen werden – bekommen wir auch die ungefährlichen Blacktip Reef Haie zu Gesicht.

Auf dem Rückweg (den wir natürlich zu Fuß zurücklegen) kommen wir am Sofitel Moorea vorbei. Wir wandern ein bisschen durch die wunderschöne Anlage bis hin zu den Overwater Bungalows, die auf Stelzen direkt über dem Wasser liegen. Leider sind sie aber auch verdammt teuer. Aber es muss ja auch Luft nach oben bleiben. Das schönste am Sofitel ist allerdings der (aufgeschüttete) weiße Sandstrand: so einen schönen, breiten, gepflegten Strand haben wir auf keiner der Inseln gesehen, außer vielleicht auf Aitutaki.

Hafen von Huahine

Unser nächster Stopp ist die Insel Huahine, die als sehr ruhig beschrieben wird. Und das ist sie auch. Im Zentrum der größten Stadt der Insel finden sich ein paar Restaurants, ein Yacht-Club, ein überraschend großer Supermarkt sowie ein paar Souvenirshops und Food-Trucks.  Ansonsten geht es auf der Insel beschaulich zu. Der Vermieter unserer Unterkunft leiht uns seinen kleinen Peugeot – ohne vorher unsere Führerscheine sehen zu wollen oder einen Vertrag aufzusetzen – und wir fahren die schöne Küstenstraße entlang.

 

Das verlassene Sofitel Huahine

Auf unserer Erkundungstour stoßen wir auf einen Fernsehturm in der Nähe des Flughafens. Der Aufgang ist nicht verschlossen und so klettern wir ein paar Stockwerke nach oben und genießen einen tollen Blick über die Insel und das bewaldete Inselinnere und erspähen im Dunst sogar die Nachbarinsel Raiatea. Auch auf Huahine gab es mal ein Sofitel, das inzwischen verlassen ist und jetzt inoffiziell und individuell als Lost Place besichtigt werden kann. Der Steg zu den geplanten Overwater Bungalows ist noch zu erahnen, die Pools sind auch noch da, genauso wie leicht gruselige Figuren die wohl die Wege geziert haben. Zu den Gebäuden im hinteren Teil des Grundstücks, die sehr marode aussehen, gehen wir lieber nicht.

Ansonsten ist Huahine vor allem für Spiritualität und religiöse Bedeutsamkeit bekannt. Überall finden sich marae, polynesische Glaubensstätten,. An einer Stelle im Fluss gibt es heilige Aale, die eine besondere Bedeutung für die polynesische Kultur haben, sich uns aber nicht wirklich erschließt und über die auch unser treuer Lonely Planet nicht wirklich Auskunft geben kann.

Auf dem Rückweg kommen wir an einem schönen Strandabschnitt vorbei, der tatsächlich aus Sand besteht. Etwas weiter weg veranstaltet eine Familie grade ein BBQ und aus Respekt vor der polynesischen Kultur gehe ich nicht baden – Frauen in Badekleidung werden im Freien ungern gesehen, und selbst Männer baden häufig mit T-Shirt. In Hotels dagegen ist das kein Problem, also werden wir an den wenigen Tagen, die wir auf Huahine verbringen, zu regelmäßigen Tagesgästen in den größeren Hotels der Insel, wo man zusammen mit einem Lunch auch das Recht erwirbt, den Nachmittag unbedarft am Hotelstrand zu verbringen.

Ausblick von Raiatea

Die nächste Insel, die wir besuchen, ist Raiatea, die wir schon vom Fernsehturm aus gesehen haben. Hier ist schon wieder deutlich mehr los, es gibt mehrere größere Siedlungen und Supermärkte, und eine Autovermietung, die uns diesmal ganz legal einen nagelneuen Fiat Panda, dem wir die ersten paar Kilometer bei unserer Inseltour verpassen. Unsere Gastgeberin ist eine junge Französin, die uns erzählt, sie habe mal ein Auslandssemester in Darmstadt verbracht und die sich freut, uns die schönsten Spots auf der Insel zu empfehlen und eine Tour zur benachbarten Insel Tahaa zu buchen. Während Raiatea selbst nicht sonderlich spannend ist (es ist dann eben auch schon die fünfte Insel, die wir besichtigen), überzeugt uns die Tour nach Tahaa sehr. Auf einem kleinen Boot geht es durch die Lagune, die Raiatea und Tahaa verbindet.

Perlenwerkstatt auf Tahaa

Kurz bevor wir an Land gehen, besuchen wir eine Perlenfarm, in der die berühmten Schwarzen Perlen angebaut und verarbeitet werden. Eine Dame zeigt uns, wie die Perle in die Muschel eingesetzt wird, damit sich in den Monaten darauf Perlmuttschichten darauf ablagern können, und auch, wie mit den Perlen Schmuckstücke gefertigt werden.

 

 

 

Overwater Bungalows auf Tahaa

Weiter geht es zum Korallengarten, der eigentlichen Attraktion von Tahaa. Zwischen zwei motus, die vor einer Lagunenöffnung liegen, entsteht eine Strömung, sodass man sich nur durch das Wasser treiben lassen muss und dabei die schönsten tropischen Fische zu Gesicht bekommt. Wir verbringen mindestens zwei Stunden damit, uns auf immer anderen Routen durch das korallenbewachsene Gebiet treiben zu lassen und dabei immer neue Fischarten und Besonderheiten zu entdecken. Nach einem Zwischenstopp zum Lunch erkunden wir noch eine Vanille-Farm, wo uns mit viel Sorgfalt alle notwendigen Schritte zur Verarbeitung der Vanille erklärt wird. Am Ende kaufe ich ein Fläschchen mit Vanille-Extrakt – nur um zuhause in Deutschland festzustellen, dass der Kuchen nicht besser schmeckt als mit normalen Vanille-Zucker. Irgendwann viel später lerne ich dann, dass Tahiti-Vanille nicht sonderlich geschmacksintensiv ist und aufgrund ihres intensiven Geruchs eher für Kosmetikprodukte eingesetzt wird.

Schwarzer Strand auf Tahiti

Unser letzter Flug führt uns zurück nach Tahiti. Auch hier mieten wir ein Auto und fahren los, um die Insel zu erkunden. Oder besser gesagt: die beiden Inseln. Denn Tahiti besteht aus den Inseln Tahiti Nui und Tahiti Iti, die nur durch ein dünnes Stück Land miteinander verbunden sind. Während an der Westküste schützende Riffe den überwiegenden Teil der Wellen abschirmen, kommen an der Südküste durch Löcher im Riff zur richtigen Saison riesige Wellen auf, die Surfer aus aller Welt anlocken. Entlang der Inselstraße gibt es beeindruckende Natur zu sehen, die zum Teil in kleinen botanischen Gärten besichtigt werden kann. Neben dunklen Grotten und Wasserfällen bewundern wir hier auch Blüten von diversen tropischen Pflanzen. Die felsige Küstenstraße im Norden von Tahiti Nui ist kaum noch von Riffen geschützt und erinnert uns an Neuseeland und führt uns durch kleine Dörfchen, die immer wieder durch ihre Kirchen beeindrucken, die so ganz anders sind als die, die wir aus Deutschland gewohnt sind.

In den Bergen von Tahiti

Highlight unseres Aufenthalts auf Tahiti ist eine Tour ins Inselinnere. Unser Tourguide Teaui ist Polynesier durch und durch, voller traditioneller Tattoos und trotz des kühleren Wetters in den Bergen nur mit einem Sarong bekleidet. Er fährt und führt unsere Gruppe durch den dichten Regenwald bis wir mitten in den grünen Bergen sind, wo es zum ersten Mal seit Wochen richtig kalt ist. Immerhin ist der höchste Berg hier, der Mount Orohena, auch fast 2.250 Meter hoch. Leider ist es immer noch bewölkt und mein Orientierungssinn gleich null, aber dadurch bekommt die ganze Tour etwas sehr Mystisches.

Unter der Woche ist Papeete deutlich belebter als am Wochenende. Für den Markt sind wir aber jedes Mal wieder zu spät dran, sodass wir ihn nur in einer abgespeckten Form zu sehen bekommen. Gehandelt werden vor allem Lebensmittel (Fisch, Obst und Gemüse), Blumen und Schmuck und Blumenschmuck – hier kann man nämlich auch die typischen Blumenkränze kaufen, die Polynesierinnen zu Feierlichkeiten oder einfach im Alltag tragen.

Und schon geht unser Rückflug nach Auckland, wo wir genau zwei Tage Aufenthalt vor unserem nächsten Flug nach Samoa haben. Wir genießen die trockene Herbstluft und den Fakt, dass wir nach knapp drei Wochen endlich wieder unbedenklich Leitungswasser trinken können. Und eine Waschmaschine ist auch etwas sehr Feines.

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