Die Bergstraße Teil 1: Bensheim

„Wohnen, wo andere Urlaub machen!“ Schon in meiner Heimatregion, dem Sauerland, drückt dieser Satz den Stolz auf die eigene Kultur aus, die auch außerhalb sehr geschätzt wird und jedes Jahr zahlreiche Touristen in die Region zieht. Doch – meine Landsleute mögen mir verzeihen – auf meine Wahlheimat, die Bergstraße, trifft das noch viel mehr zu. Neben der einmaligen Landschaft am Fuße des Odenwaldes, dem milden Klima und den romantischen Altstadtkernen vieler Städte und Gemeinden sind es vor allem Geselligkeit und Lebensfreude, die die Bergstraße ausmachen.

Der Frühling in Deutschland setzt an der Bergstraße meist als erstes ein. Dann stehen die vielen Obst- und Mandelbäume in voller Blüte. (Foto: Dirk Schmidt)

Die Bergstraße verläuft fast genau in Nord-Süd-Richtung zwischen Westrand des Odenwaldes und Rheinebene rund 70 Kilometer von Darmstadt (Hessen) nach Nußloch (Baden-Württemberg). Die Region zählt zu einer der wärmsten und sonnigsten in Deutschland, und oft setzt der Frühling hier als erstes ein. Dann stehen die vielen Obst- und Mandelbäume in voller Blüte. Auch Wein gedeiht hier hervorragend dank der geschützten Lage an den Berghängen. Der gesamte Raum entlang der Bergstraße war schon früh besiedelt und die historischen Altstädte besonders von Heidelberg, Heppenheim, Bensheim und Weinheim zählen zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Region.

Mittelalterliche Fachwerkhäuser reihen sich nicht nur in der Bensheimer Innenstadt aneinander. (Foto: Thomas Weick/pixelio)

Bensheim ist die größte Stadt des südhessischen Kreises Bergstraße und zählt etwa 40.000 Einwohner. Alte Fachwerkhäuser und Kirchen, schmale Gassen und idyllische Plätze prägen das Bild der Innenstadt. Wahrzeichen und zugleich älteste katholische Gemeindekirche der Stadt ist die Pfarrkirche St. Georg am Marktplatz. Ebenfalls in der historischen Altstadt befindet sich der Rinnentorturm, der Rest der mittelalterlichen Befestigungsanlage aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Die Geschichte einzelner Bauwerke wie die der Fachwerkhäuschen am Marktplatz, dem Roten Turm oder dem Dahlberger Hof sowie zur sagenumwobenen „Fraa vun Bensem“ (hessische Mundart für „Frau von Bensheim“) erfahren Besucher beispielsweise auf einer der öffentlichen Altstadtführungen, die von März bis Oktober jeden 1. und 3. Samstag im Monat um 11 Uhr an der Mittelbrücke starten (Kosten: 2 Euro pro Person).

Die Pfarrkirche St. Georg ist das Wahrzeichen der Stadt. (Foto: Thomas Weick/pixelio)

 

Der Rinnentorturm ist der klägliche Rest der Verteidigungsanlage aus dem 13. Jahrhundert. (Foto: Armin Kübelbeck)

Wo Wein gedeiht, wird Genuss groß geschrieben
Bensheimer sind Genießer, was sich in den vielen Cafés, Restaurants und nicht zuletzt im Weinanbau widerspiegelt. Besonders zu empfehlen ist ein Besuch des „TeaTime Bensheim“ in der Fußgängerzone: Hier serviert man mehr als 500 verschiedene Sorten Tee, aber auch Kaffee und Kuchen sowie Snacks wie Sandwiches oder Salat sind bei den Gästen sehr beliebt – das Teehaus ist immer gut gefüllt. Wer seinen Tee lieber zu Hause genießen möchte, kann sich an der Theke des „TeaTime“ seine Lieblingssorten in der gewünschten Menge einpacken lassen und bekommt dort auch Zubehör wie Teesiebe, Tassen, Kannen oder ganze Teeservice.

Das Weinhaus „Blauer Aff“ ist eine Institution im Bensheimer Stadtteil Auerbach. (Foto: Armin Kübelbeck)

Traditionsreicher ist die „Alte Dorfmühle“, zu der in der Fußgängerzone der Altstadt eine Bäckerei und in der Bachgasse im Stadtteil Auerbach ein Café gehört. Während die „Alte Dorfmühle“ schon seit dem 13. Jahrhundert die Stadt versorgt, gibt es die Bäckerei in der Innenstadt erst seit 2006. Die Nachfrage nach den französischen Baguettes, Kuchen, kleinen Törtchen und Quiches ist groß, weshalb nicht wenige schon am Tag zuvor ihre Bestellung aufgeben, um nicht leer auszugehen. Die Speisekarte des Cafés, das eigentlich eher ein Restaurant ist, serviert deftige Spezialitäten wie Fleisch- und Wurstgerichte oder Handkäs mit Musik, aber auch Pizza oder Flammkuchen. Gleich neben der Bäckerei der „Alten Dorfmühle“ bietet übrigens der Feinkostladen „Käse Mühlum“ verschiedene Wein- und Käsespezialitäten an.

Eine Bensheimer, Verzeihung, Auerbacher Institution (siehe unten) ist der „Blaue Aff“: Das Weinhaus gibt es seit 1861. Die Weinkarte kann sich sehen lassen und neben edlen Tropfen von der Bergstraße und aus dem Rest der Welt wird hier gut bürgerliche Küche aufgetischt.

Die Bachgasse in Auerbach ist wegen ihrer schmucken Fachwerkhäuser eine lokale Attraktion. (Foto: Stefan Vehoff)

Von Parkanlagen und Herrenhäusern
Der Luftkurort Auerbach, der größte Stadtteil Bensheims, war jahrhundertelang eine selbständige Gemeinde und wurde erst 1939 Bensheim angeschlossen. Das haben die Auerbacher bis heute nicht ganz verkraftet: Sie mögen es gar nicht, wenn Zugezogene wie ich allgemein von Bensheim reden und Auerbach nicht gesondert erwähnen, wenn es beispielsweise um die Lage von bestimmten Geschäften oder Restaurants geht. Die Bachgasse in Auerbach, auf der sich auch die „Alte Dorfmühle“ befindet, ist aufgrund ihrer schmucken Fachwerkhäuschen eine lokale Attraktion und führt zum Staatspark Fürstenlager.

Die Parkanlage ist mehr als 40 Hektar groß und sehr schön hergerichtet. Im Park gibt es exotische Pflanzen und Bäume, wie etwa einen der höchsten und ältesten Mammutbäume Deutschlands. Das „Herrenhaus“ des Parks wurde 1790 von den Landgrafen von Hessen-Darmstadt als Sommerresidenz errichtet und wird nun als Parkhotel genutzt. In dem Restaurant des Hotels können Besucher auch heute noch fürstlich speisen. Im „Damenhaus“ werden zudem monatlich wechselnde Kunstausstellungen gezeigt. Am Hang hinter dem Park wird erstklassiger Wein angebaut, den man nicht nur im Weinkeller des Parkhotels, sondern auch im gut sortierten Edeka Getränkemarkt in Auerbach beziehen kann.

Der Staatspark Fürstenlager ist einer der schönsten Parks der Stadt. (Foto: Veronika Heibing)

Der Staatspark Fürstenlager ist auch Schauplatz vieler Veranstaltungen wie den Internationalen Sommerfestspielen Bensheim-Auerbach, bei dem namhafte Künstler aus aller Welt ein breit gefächertes Programm mit Chansons und Konzerten von Kammermusik bis Jazz zum Besten geben.

Der Rodensteiner Hof liegt am Eingang des Bensheimer Stadtparks.

In der Nähe der Bensheimer Altstadt liegt das Kulturdenkmal „Rodensteiner Hof“. Der alte Adelshof an der Darmstädter Straße 5 beherbergt heute Büros, Wohnungen und das italienische Restaurant „Il Pastaio“, das vor allem für seine hausgemachte Pasta bekannt ist. Der Hof liegt direkt am Bensheimer Stadtpark, der vom Stil her an einen kleinen, englischen Landschaftspark erinnert.

Vom Auerbacher Schloss aus lassen sich Bensheim, der Odenwald und die Rheinebene von oben erblicken. (Foto: Stefan Vehoff)

Bensheims Burgruinen
Nicht weit vom Staatspark Fürstenlager entfernt liegt das Auerbacher Schloss auf dem Auerberg: Die Burgruine stammt aus dem frühen 13. Jahrhundert und gilt als wichtigste Burg der Obergrafschaft Katzenelnbogens. Die Festung wurde während des Dreißigjährigen Krieges eingenommen und bei den Raubzügen des „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV. schwer beschädigt. Von den Türmen des Auerbacher Schlosses haben Besucher einen herrlichen Blick auf Bensheim, die Bergstraße, den Odenwald und über das Rheintal. Eine Besonderheit der Burg ist die knorrige, nur sieben Meter hohe Waldkiefer, die seit über 300 Jahren auf dem Wehrgang der Schildmauer in luftiger Höhe in die Ruine wächst.

Im Auerbacher Schloss speisen Gäste wie die Rittersleut, nicht nur generell im Restaurant der Burgruine, sondern auch beim Rittersmahl zu bestimmten Events wie etwa zu Halloween und Silvester oder zu den Ritterturnieren, die mehrmals im Jahr veranstaltet werden. Vom 20. Juli bis 18. August 2013 finden die Auerbacher Schlossfestspiele statt. Das „Schloss Auerbach in Flammen“ können Besucher am 24. August und am 28. September 2013 bestaunen.

Eine 300 Jahre alte Waldkiefer wächst auf dem Wehrgang der Schildmauer in die Ruine hinein. (Foto: Stefan Vehoff)

Im Südosten von Bensheim steht der Bismarckturm auf dem Hemsberg. Ursprünglich als Bismarck-Denkmal errichtet, dient der rund 15 Meter hohe Turm heute Wanderern als Aussichtspunkt. Sowohl der Bismarckturm als auch das Auerbacher Schloss sind Teil einer Burgenkette am Rande des Odenwaldes, zu der auch die Burg Frankenstein bei Darmstadt-Eberstadt, das Alsbacher Schloss, die Starkenburg über Heppenheim, die Wachenburg und die Windeck über Weinheim, die Strahlenburg über Schriesheim und die Ruine Schauenburg über Dossenheim gehören.

Bei der Weinlagenwanderung am 1. Mai bieten Jungwinzer Bergsträßer Wein an Probierständen zur Verkostung an. Neben dem Wein genießt man die Wanderung durch die einmalige Landschaft (Foto: Veronika Heibing)

Winzerfeste und Weinwanderungen
Bensheim und die Rheinebene von oben betrachten kann man auch vom Kirchberghäuschen aus: Die Gaststätte befindet sich auf dem Gipfel des gleichnamigen Kirchbergs und wurde 1857 ursprünglich als „Lusthaus“ eingeweiht. Das Kirchberghäuschen ist auch beliebter Zwischenstopp bei der Weinlagenwanderung von Zwingenberg über Bensheim nach Heppenheim, die jedes Jahr am 1. Mai zahlreiche Besucher aus der Rhein-Main-Region anzieht. Auf der gesamten Wanderstrecke bieten Jungwinzer an Probierständen Bergsträßer Wein an. Die Weinlagenwanderung ist eines von vielen Festen und Events, die Bensheim zu einer lebendigen und liebenswerten Stadt machen. Ende April/Anfang Mai bilden beim „Bergsträßer Weinfrühling“ verschiedene Veranstaltungen rund um den Wein ein buntes Programm, bei dem lokale Weine und Spezialitäten verkostet werden können. Volksfestcharakter hat das „Bergsträßer Winzerfest Bensheim“ Anfang September: Neben Weinständen und Fressbunden werden hier auch Fahrgeschäfte aufgebaut. Mit einer Dauer von neun Tagen und rund 100.000 Besuchern zählt es zu den großen Weinfesten in Deutschland und ist zugleich das größte Weinfest Südhessens. Ein großes Feuerwerk beendet die Feierlichkeiten.

Sportlich aktiv
Wo Wein gedeiht, wird Gemütlichkeit groß geschrieben, heißt es in der Besucherbroschüre der Stadt Bensheim. Auch wenn die Bensheimer sich gern auf ein Gläschen in geselliger Runde treffen, sind sie dennoch nicht träge: Die Bergstraße verfügt über gut beschilderte Wanderwege und ein ausgebautes Radwegenetz, über die man die Landschaft auf sportliche Weise erkunden kann. Von Bensheim aus lohnt sich beispielsweise eine Radtour nach Lorsch, Weinheim oder Worms. Auch nach Heidelberg kann man radeln, die Tour ist allerdings 45 Kilometer lang – eine Strecke. Wer nicht besonders trainiert ist, kann von Heidelberg aus mit der Bahn zurück fahren. Gemütlicher geht es am Badesee Bensheim zu: Hier kann man beispielsweise nach einer ausgiebigen Wander- oder Radtour im Sommer am künstlich aufgeschütteten 300 Meter langen Strand in der Sonne braten und den Tag entspannt ausklingen lassen.

Am Badesee in Bensheim kann man im Sommer ein kühles Bad nehmen oder am künstlich angelegten Strand in der Sonne braten. (Foto: Veronika Heibing)

Übrigens: Vom 6. bis 15. Juni 2014 wird in Bensheim der Hessentag abgehalten, das größte und älteste Landesfest Deutschlands. Ein tolles Video zu Bensheim anlässlich des Hessentages 2014 kann man sich hier anschauen. Bewegtbilder zur Bergstraße gibt es hier.

Veronika Heibing

Über Veronika Heibing

Veronika Heibing war von 2011 bis 2016 als PR Beraterin bei Claasen Communication tätig. Ihre Schwerpunkte waren Pressearbeit, Online PR und Corporate Publishing.

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